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Warenwirtschaft im Internet
Grafik: Anzeige der Orientierung

WaWi

Aus :ZIM Info 22/99 (Stand Juli 1999) Thema: e-Commerce und Warenwirtschaft

Online Shops sind in aller Munde. Vom Cyber-Teeladen über "virtuelle" Autohäuser bis zu den meist angeführten Buch und CD-Vertrieben. Obwohl die aktuellen Umsatz zu Erlös Verhältnisse nicht immer dazu angetan sind sich dem Thema mit allzuviel Euphorie zu widmen, bietet sich der Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen über das Internet als durchaus relevante Perspektive an. Da neben der reinen Präsentation der Produkte auch die Pflege der Daten und die Verarbeitung der Bestellungen ein wesentlicher Faktor für das gelingen des E-Commerce Projektes sind, soll dieser Artikel soll einen Überblick über die Komponenten und Aspekte der Einbindung eines Online Shops in die Betriebliche Software bieten. Betrachten werden dabei der Austausch von Daten und die Schnittstellen zu Anwendungen. Ein wichtige Rolle wird nach einhelliger Expertenmeinung die Beschreibungssprache XML spielen. Im einzelnen werden nun folgenden Bereiche beleuchtet: - Die Komponenten eines Online Shops
- Anbindung an eine bestehende Datenbasis
- XML als zentrale Komponente für den Datenaustausch

1. Die Komponenten eines integrierten Online Shops Bei einer optimalen Konfiguration besteht ein Online Shopping System aus vier Kern- Komponenten die über Standardisierte Schnittstellen miteinander kommunizieren.
$gbdw150-a.gif;Die Komponenten;
- Der Webserver
Er regelt die Kommunikation mit dem Internet. Er überträgt die HTML Seiten und nimmt die Benutzereingaben aus Formularen entgegen. Der Server muß mit besonderen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sein, um die vertraulichen Daten der Kunden zu schützen.

- Die Shop Software
Sie regelt die Verwaltung der Inhalte, die Erzeugung der Webseiten, die Bearbeitung des Warenkorbs und die Verwaltung der "User". Auch die Zahlungsfunktion sind der Software angegliedert. Auch hier gelten besondere Sicherheitsmaßnahmen, um die sensiblen Daten zu schützen

- Eine Datenbank
Im Idealfall steht eine zentrale Datenbank zur Verfügung in der alle relevanten Daten gespeichert werden. Sowohl Shopping Anwendung als auch die nachgeschalteten Programme können darauf zugreifen. Auch für die Auswertung der Käufe nach unterschiedlichen Kriterien bieten eine zentrale Datenbank beste Voraussetzungen.

- Anwendungssoftware
Für die Verwaltung von Kunden, Artikeln und Buchungen benutzen Firmen bereits Anwendungsprogramme für die Verwaltung. Angefangen von der Kundenpflege über die Lagerhaltung und Lieferabwicklung bis zur Fakturierung. Hier finden sich umfangreiche integrierte Lösungen von Firmen wie SAP, Baan, Peoplesoft aber auch einfache kleine Warenwirtschaftsprogramme.

Ein wichtiges Ziel für den reibungslosen Einsatz eines Online-Shopping-Systems ist die Integration all dieser Komponenten. Nur bei einem nahtlosen und verlustfreien Datenaustausch übersteigen die Transaktionskosten nicht die Marge beim Verkauf der Produkte. Der folgende Abschnitt geht auf diese Aspekte ein.

2. Anbindung an eine bestehende Datenbasis
2.1 Datenpfade
In der Regel werden die benötigten Daten für den Online Shop aus bestehenden Anwendungen heraus verwendet. Verändert sich der Datenbestand nur selten, so ist der einmalige Import der Daten und die parallele Pflege denkbar. Bei einem Auftragsaufkommen von einigen wenigen Vorgängen, kann auch die Verarbeitung der Kaufvorgänge durchaus noch von Hand vorgenommen werden. Bei einigen hundert Transaktionen pro Stunde ist das nicht mehr sinnvoll. Verändern sich Artikel laufend, oder ist eine Realtime Anbindung an das Lager, die Buchhaltung und die Auslieferung vorgesehen, scheidet dieser Weg ohnehin aus. Hier muß ein reibungsloser Transfer der im Shop generierten Transaktionen zu den entsprechenden Anwendungen und zurück sicherstellt werden.

2.2 Datenhaltung
Bei der Anbindung an bestehende Anwendungen steht man zwei unterschiedlichen Situationen gegenüber. Bei der einen sind die Daten in einem Proprietären Format gespeichert und bedürfen eines speziell angepaßten Konverters für den Import und Export. Bei der anderen basiert die Datenhaltung auf einer Datenbank, die über eine offene Schnittstelle verfügt. Hierzu zählen u.a. Produkte von IBM, Informix, Oracle, Sybase und andere SQL Datenbanken. Die Shopsoftware ist dann in der Lage über entsprechenden Abfragebefehle ohne Umwege auf die Daten zuzugreifen.


2.3 Datenkonversion
Für die Abwicklung dieses Datenaustausch werden aktive Komponenten benötigt. Hier finden sich in der Praxis zahlreiche Lösungen in Form von Scriptsprachen. Die bekannteste ist das CGI (Common Gateway Interface) Konzept, das auf definierten Übertragungsschnittstellen und der Programmiersprache PERL basiert. In den letzten Jahren sind zahlreiche weitere integrierte Konzepte hinzugekommen. Hierzu zählen unter anderem AEONIC, ColdFusion, ODARS2WEB, PHP oder ASP. Mithilfe der Scripte werden meist SQL Befehle an die Datenbank übertragen. Diese können beim richtigen Zusammenspiel auch von den Anwendungsprogramm direkt über eine Programmierschnittstelle (API) an die Datenbank übertragen werden. Hierzu müssen für die Datenbank geeignete Module wie ODBC oder JDBC vorliegen.

Betrachtet man das Problem des Datenaustausches zwischen unterschiedlichen Anwendungen im Unternehmen, so stehen 2 Ansätze zu Diskussion:
1. Einzelne Konverter zwischen den Anwendungen
2. Eine zentrale Vermittlungsinstanz
Die Datenmodellierung in XML stellt für den 2ten - besseren - Weg die nötigen Komponenten zur Verfügung.

$gbdw150-c.gif;Die Komponenten;



3. XML als zentrale Komponente für den Datenaustausch
Die Extensible Markup Language hat -wie eigentlich alles im Internet - eine rasante Karriere hinter sich. Nach den ersten Entwürfen 1996 wurde sie von der WWW Organisation im Februar 1998 normiert. Sie entspricht wie HTML der bereits sein 1986 verwendeten SGML (Standard Generalized Markup Language). Das bekannte HTML beschreibt das Aussehen einer Webseiten. Über den eigentlichen Inhalt sagt es nichts aus. Ob es sich bei der Zahl 28,0 um DM, Euro oder Grad Celsius handelt ist für HTML nicht erkennbar. Dem Betrachter erschließt sich dies durch entsprechende weitere Beschreibung. Hier setzt nun XML an, da es die Struktur und den Zusammenhang von Informationen beschreibt. Beim Export von Daten aus einer Datenbank bleibt somit die Datenbeschreibung erhalten. Durch zusätzliche Beschreibungen werden diese Elemente dann mit einem Layout verbunden. XML selber enthält keine Angabe über die Darstellung. Der Begriff "Extensible" deutet bereits an, das die Sprache erweiterbar ist. So gibt es neben einer Chemischen Variante CML, einer Geografischen GML bereits zahlreiche Varianten. Die Firma Open-Shop hat in ihr System die Electronic Commerce Modelling Language (ECML) eingebaut. Diese E-Commerce "ML" soll standardisierte Informationen über Waren, Preise und Zahlungswege enthalten.
XML hat das Potential von EDI zu den Kosten des Web. Wir dürfen gespannt sein, wie die Global Player der IT System diesen Standard in Ihre Produkte integrieren. Einige wie Intershop, Icat und Openshop auf der Shopseite, und SAP, Software AG und IBM auf der Anwendungs- Seite haben dies bereits begonnen. Vielleicht werden wir ja bald die Daten auf unseren Webseiten durch ZML - der ZIM Markup Language - austauschen.

Frank Bitzer, Juli 1999


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